Wir haben als zivilgesellschaftliche Kabulluftbrücke angekündigt, Schutzbedürftigen, die bisher auf offiziellen Listen nicht berücksichtigt oder evakuiert wurden, bei der Evakuierung zu helfen und haben es trotz großer Herausforderungen und massiver Widerstände seitens der deutschen Bundesregierung geschafft.

Mit immensem Aufwand konnten wir 18 gefährdete Ortskräfte aus Kabul in Sicherheit bringen. 18 Menschenleben, dabei hätten es hunderte mehr sein können, wenn unsere Rettungsaktion nicht aktiv vom Auswärtigen Amt blockiert worden wäre. Aber jedes einzelne Menschenleben war es wert, die Kabulluftbrücke zu starten.

Für hunderte Menschen hatten wir eine sichere Unterkunft, haben sie offiziell auf Listen des Auswärtigen Amtes registrieren und absegnen lassen, organisierten einen Bustransport über die katarische Botschaft und hätten Menschen innerhalb weniger Stunden an den Flughafen und auf unser Flugzeug bringen können. Offiziell waren die Menschen für die Evakuierung vorgesehen. Die Regierung weigerte sich, eine E-Mail zu schreiben, um den Transport freizugeben. Unser Flugzeug stand bereit. Doch niemand sollte evakuiert werden.

Was wir in den letzten Tagen erfahren haben, ließ uns sprachlos und wütend zurück. Während öffentlich behauptet wurde, sich für die schnellstmögliche Evakuierung von Gefährdeten einzusetzen, während sich Heiko Maas persönlich dafür einsetzte, dass unser Flug stattfinden kann und wir ein NATO-Rufzeichen durch die Bundeswehr erhielten, erlebten wir in der Praxis eine bürokratische und politische Verhinderungstaktik. Öffentlich wurde behauptet, dass das Flugzeug erwünscht sei, doch nach der Landung vor Ort war klar: Unser Flugzeug sollte keine Menschen evakuieren. Als Portugal unser Evakuierungsangebot für ihre afghanischen Ortskräfte dankend annahm, versuchten deutsche Diplomaten offenbar zu erzwingen, dass das Flugzeug niemanden evakuiert. Das wurde von deutschen Diplomaten offenbar klar an die US-Behörden kommuniziert. Wir sollten nicht erfolgreicher sein, als die Bundesregierung. Wir sollten scheitern, damit das Kartenhaus der Evakuierungsaktion der Bundesregierung nicht in sich zusammenfällt.

Denn natürlich hätten weitere Menschen auf diesem Flug mitfliegen können. Dass das nicht nur an Bürokratie, Unvermögen oder der Situation vor Ort lag, haben wir nun in jeder Einzelheit mitbekommen. Mehrfach wurde unserer Evakuierungsflug aktiv vom Auswärtigen Amt blockiert, sodass es am Ende nur 18 Personen zu unserem Flugzeug schafften und 180 Sitze leer blieben.

Für uns sind Menschenleben wichtiger als Ministerialbürokratie. Alle von den Taliban bedrohten Menschen sollte bei der Flucht geholfen werden – egal ob sie deutsche Ortskräfte waren oder nicht. Doch selbst diejenigen, die auf den Listen des Auswärtigen Amtes oder anderer Ministerien waren, deren Gefährdung belegt und anerkannt war, wurden von der Bundesregierung in dem falschen Glauben gelassen, dass sie bald evakuiert werden. Sie standen zu tausenden vor den Toren des Flughafens in Kabul und hofften, endlich Einlass zu bekommen. Über 180 Menschen sind bei Selbstmordattentaten vor dem Flughafen gestorben.

Nie hätten wir uns vorstellen können, dass Menschenleben nicht im Vordergrund stehen. Nie hätten wir gedacht, dass es den Zuständigen wichtiger ist, dass wir nicht erfolgreich sind, als Menschenleben zu evakuieren.

Vielleicht war es naiv zu glauben, dass die Bundesregierung uns aktiv unterstützt. Vielleicht sind wir nach der Evakuierung von 18 Menschen mit weiteren Fliegern gescheitert. Aber wir werden die akut gefährdeten Menschen in Afghanistan nicht aufgeben und sie weiter unterstützen.

Am Montag findet eine Pressekonferenz statt. Die Details werden wir zeitnah kommunizieren, in der Zwischenzeit Anfragen an: press@kabulluftbruecke.de

Hinweis: Wir haben über Tage nicht öffentlich kommuniziert. Wir wollten die Operation oder Menschenleben nicht gefährden. Wir wollten nicht, dass die Menschen zu einem politischen Spielball werden. Wir hatten gehofft, dass die Behörden das ähnlich sehen. Nach dem Abbruch der Evakuierungsaktion am gestrigen Abend, wird es nun aber Zeit zurückzublicken, aufzuarbeiten und weiterzumachen.

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