Von den Taliban gejagt weil sie für das Recht auf Bildung für Frauen kämpft

medico international

21. Juni 2023- Lesezeit: 5 min

Eine verschleierte Frau schiebt eine Schubkarre mit Gießkannen

Seit über 20 Jahren setzt sich Frau P. für die Rechte von Mädchen und Frauen ein. Als Lehrerin und Direktorin einer Mädchenschule sowie als Aktivistin in verschiedenen Frauenrechts-Organisationen und zuletzt Mitbegründerin eines Protestnetzwerks gegen die Taliban hat sie sich leidenschaftlich dem feministischen Kampf für Selbstbestimmung von Frauen verschrieben. Sie träumte von einem Afghanistan, in dem Mädchen und Frauen ein unveräußerliches Recht auf Bildung, auf freie Heiratswahl und Arbeit, auf politische und öffentliche Mitbestimmung und Repräsentation besitzen. Sie träumte von der Befreiung der afghanischen Frauen – knapp zwei Jahre nach der Machtübernahme durch die Taliban ist dieser Traum einer totalitären, misogynen Dystopie gewichen.

Heute hat sie alles verloren, für das sie ihr Leben lang gekämpft hat. Traumatisiert von der physischen Gewalt durch die Taliban, von unzähligen Todesdrohungen per Anruf oder Whatsapp-Nachricht, der Verhaftung früherer Kolleg:innen und der angedrohten Zwangsverheiratung ihrer 17-jährigen Tochter versteckt sich Frau P. seit Monaten in Todesangst mit ihren Kindern in Mazar-e Sharif bei den Wenigen, denen sie noch vertraut. 

Obwohl sie sich lange schwor, niemals aufzugeben, ist ihre letzte Hoffnung heute die Aufnahme in Deutschland über das Bundesaufnahmeprogramm (BAP). Die Aussetzung der Visaverfahren durch die Bundesregierung hat diese Hoffnung fast erstickt – denn sie weiß nicht, wie lange sie sich noch verstecken kann, bis die Taliban sie finden. Die etlichen Verzögerungen und Hürden des BAP setzen ihr Leben aufs Spiel. Mit jedem Tag, den sie ausharren muss, steigt die Gefahr.

Sie widmete ihr Leben dem Widerstand gegen die Unterdrückung von Frauen…</