Berlin, 19.10.2026

Die Initiative Kabul Luftbrücke, ein Projekt der Aab Humanitarian Association gGmbH, startet heute die Online-Kampagne „7 Steckbriefe – Wir legen vor!„. Im Rahmen der Kampagne werden sieben Steckbriefe von afghanischen schutzsuchenden Frauen vorgestellt, die noch immer auf ihre Aufnahme nach Deutschland warten. Damit stehen sie stellvertretend für fast 500 Menschen, die sich in derselben Situation befinden. Unter ihnen befinden sich:

– 209 Kinder, die teilweise seit Jahren nicht mehr zur Schule gegangen sind und denen allein der Gedanke an einen baldigen Schulbesuch in Deutschland Trost und Kraft spendet.
– 148 Frauen, Mütter und Großmütter, die alles auf eine Karte gesetzt haben: die Aufnahmezusage aus Deutschland. Denn für sie gibt es keine Alternative.
– 30 Hauptantragstellerinnen, die sich aktiv für eine demokratische, offene und menschenrechtskonforme Gesellschaft in Afghanistan eingesetzt und somit die Ziele des fast zwanzigjährigen Bundeswehreinsatzes in Afghanistan unterstützt haben.

Die Kampagne wird innerhalb der nächsten drei Wochen auf der Kampagnen-Website sowie über die Instagram– und LinkedIn-Kanäle der Initiative Kabul Luftbrücke ausgespielt. Über das E-Mail-Tool auf der Kampagnen-Website haben Unterstützer:innen zudem die Möglichkeit, sich mit unseren Forderungen an das Bundesinnenministerium zu wenden.

Die in den Steckbriefen porträtierten Frauen sind alle Hauptantragstellerinnen in ihren jeweiligen Aufnahmeverfahren. Ihre Geschichten verdeutlichen sowohl die Gefährdung, derer Schutzsuchende in ihrem Heimatland ausgesetzt sind, als auch die existenzbedrohenden Hürden, die sie im Rahmen des Ausreiseverfahrens erleben.

Diese Hürden haben sie im Vertrauen auf die abschließende und individuelle Bearbeitung ihrer Schutzgesuche und eine anschließende Aufnahme nach Deutschland in Kauf genommen. Im Falle einer Nicht-Aufnahme droht ihnen eine sofortige Abschiebung zurück nach Afghanistan. Diese sieben Frauen müssten somit in ein Land zurückkehren, in dem sie durch die Taliban systematisch entrechtet werden und in dem auch ihre Töchter keinerlei Perspektive auf ein emanzipiertes und selbstbestimmtes Leben haben.

In seiner Entscheidung vom 22. Juli 2026 hat das Bundesverfassungsgericht bezüglich der Aufnahmen aus Afghanistan festgestellt, dass der deutsche Staat in seinem Handeln gebunden ist:

„Auch wenn der Exekutive zulässigerweise ein weiter Entscheidungsspielraum eingeräumt ist, so ist sie im Rechtsstaat niemals „völlig frei“. Sie ist an allgemeine rechtsstaatliche Grundsätze wie das Willkürverbot gebunden.“
– Amtlicher Leitsatz zum Beschluss des Zweiten Senats vom 22. Juli 2026; 2 BvR 319/26.

Das Willkürverbot verpflichtet die Bundesregierung und insbesondere das Bundesinnenministerium, die Fälle der Schutzsuchenden individuell und unter Abwägung ihrer Belange zu bewerten und zu prüfen. Das Gericht stellt weiter fest, dass die Regierung dem Parlament und der Öffentlichkeit ihr Vorgehen und die Auswirkungen auf Schutzsuchende in Pakistan verantworten muss.

Mit unserer Kampagne fordern wir die Bundesregierung, namentlich das Innenministerium unter Alexander Dobrindt, dazu auf, die Verantwortung, die Deutschland für diese Menschen übernommen hat, wahrzunehmen und die Aufnahmeverfahren individuell und ergebnisoffen weiterzuführen, wie es das Bundesverfassungsgericht verlangt. Das heißt auch, die bereits laufenden Ablehnungsverfahren einzustellen, in denen das politische Interesse der Bundesregierung die Belange der Schutzsuchenden systematisch übertrifft und deren Ablehnungsquote bisher bei 100 Prozent liegt.

Staatliches Handeln im Einklang mit Rechtsstaatlichkeit und unserer Verfassung liegt im größten innen- und außenpolitischen Interesse unseres Landes, das sich international für eine regelbasierte Weltordnung einsetzt – sei es im UN-Sicherheitsrat oder im UN-Menschenrechtsrat. Die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung steht bei dem Vorgehen der Bundesregierung in Pakistan auf dem Spiel.

Für Presseanfragen sowie Rückfragen stehen wir Ihnen unter press@kabulluftbruecke.de zur Verfügung.

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